Mein Leben als einziger Weißer in Toase
Vom Beginn des Jahres 2010 bis Anfang April lebte ich in einer Gesellschaft, die von Grund auf nicht hätte mehr verschieden sein können als die zivilisierte und aufgeklärte Kultur Mitteleuropas. Die Rede ist von Ghana, einem Land in Westafrika, nur wenige Breitengrade über dem Äquator.
Als Französischlehrer unterrichtete ich ghanesische Schüler im Alter von 13 bis 18 Jahren, etwa 30-50 pro Klasse, in einem Dorf namens Toase in der Ashanti Region. Mit ihren millimeterkurzen Haaren und in ihren blauen Schuluniformen betrachteten sie mich anfangs erstaunt – mit einem Weißen waren die wenigsten bisher in Kontakt gekommen.
In wurde von Anfang an unvorstellbar gastfreundlich aufgenommen. Man lud mich zum Essen ein, man wollte mich bei Ausflügen mitnehmen und jeder wollte immer mit mir (dem Weißen) reden. Als "obroni" (so werden Weiße in der Ashanti Region genannt) wird man keine Sekunde aus den Augen gelassen und die Ghanesen taten alles, um mich glücklich zu machen (oft war es sogar zuviel des Guten).
Dieses Volk ist immer zufrieden, glücklich und optimistisch – und zwar in einem Ausmaß, das ich hier in Österreich noch nie erlebt habe.
Diese positive Lebensenergie half mir, den anfänglichen "culture-shock" besser verarbeiten zu können. Die Ashanti-Region ist zwar vor längerer Zeit christlich missioniert worden, doch die
Naturreligionen sind noch überall (mehr oder weniger) merkbar. Somit glaubt man an gute und böse Geister in Wasser, Erde und Pflanzen. Voodoo und ähnliche Rituale werden noch im ganzen Land
praktiziert, oft kommt es dabei leider auch zu Unfällen.
Die Natur war unser "Speisekammerl": Gestampfte Wurzeln (Fufu), Reis, Yam, Kochbananen und die tropischen Früchte standen fast täglich am Speiseplan. Wenn man irgendetwas brauchte, ging man zum
Markt, einem Ort voller Menschenmassen, Lärm, Staub, Hitze und Verwirrung. Wie halt so vieles in Afrika würde ich es folgendermaßen beschreiben: chaotisch aber wunderschön!
Nach so einem Aufenthalt lernt man viel. Man schätzt unseren Wohlstand viel mehr, findet ihn manchmal sogar ein bisschen abstoßend, weil er einfach unnötig ist. Man schätzt unsere aufgeklärte Kultur, in der Frauen gleichberechtigt sind, Homosexuelle akzeptiert werden und die Vernunft über dem Glauben steht. Doch genauso lernt man, die Dinge einfach lockerer zu sehen, vor allem unsere vielen "Pseudo-Probleme". Man lernt, hilfsbereiter gegenüber Bedürftigen zu werden, mit einem Lächeln den Tag zu starten, auch wenn es dazu keinen besonderen Anlass gibt und zu verstehen, dass wir nicht die einzigen auf dieser Welt sind.
Informationen zu Toase
Toase ist eine kleine, ländliche Stadt, die etwa 30 Kilometer von Kumasi entfernt liegt. Kumasi befindet sich im südlichsten Drittel Ghanas und ist dessen zweitgrößte Stadt.
In Toase befindet sich eine große und wichtige Schule, die Toase Senior High School, kurz auch TOSS genannt. An dieser Schule unterrichtete ich Französisch und hatte etwa 350-400 Schüler.
Die Schule ist eine Internatsschule, wie fast alle Schulen in Ghana, und sie beschäftigt knappe 100 Lehrer bei einer Schülerzahl von über 2500.
AKOMA
